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Tierschützer ziehen die Reißleine

Plau am See, den 19.05.2017

Das ist ein wirklich herber Schlag für die engagierten Tierschützer in Plau am See: Ihr 48 Mitglieder starker Verein steht vor einem Berg unbezahlter Rechnungen in Höhe von ca. 20  000 Euro. Und das ist nur die Summe, die zurzeit zu Buche schlägt. Täglich kommen neue Rechnungen bzw. Mahnungen - für nicht bezahlte Öllieferungen, für bestellte und gelieferte Arbeitskleidung, Futtermittel…


Viele offene Fragen, keine Antworten


 

Die Hintergründe sind nicht völlig unklar. Doch wird in den kommenden Wochen und Monaten einiges aufzuarbeiten sein. Dafür hat sich der Plauer Tierschutzverein bereits juristischen Beistand gesichert. Und die Mitgliederversammlung hat jetzt die Reißleine gezogen: Achim Jahnke, seit Ende 2014 Mitglied im Verein und in 2016 zu dessen Vorsitzenden gewählt, wurde in vorgezogenen Neuwahlen nicht nur abgesetzt. Ihm wurde auch Hausverbot für das Tierheim am Hopfensoll erteilt. Zur neuen Vereinsvorsitzenden wurde Uta Kaßler gewählt; Elke Richert, Eva Schafft und Heike Schwarz machen den Vorstand komplett. Damit sind die Personalien geklärt, am finanziellen Desaster ändert das nichts.

Die Mitglieder werfen ihrem ehemaligen Vorsitzenden vor, seit mehreren Monaten Rechnungen nicht beglichen und den Verein dadurch in eine gefährliche Schieflage gebracht zu haben. Von Pleite oder Insolvenz ist momentan nicht die Rede. Die Angst davor kursiert.

Margret Kuhlmann, stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes des Deutschen Tierschutzbundes und mit der Betreuung der Vereine in MV betraut, kennt die Plauer Einrichtung seit Jahren. „Ein kleiner, solider Verein, der immer vernünftig gearbeitet hat. Probleme diesen Ausmaßes kannte ich von hier bislang nicht“, sagt sie. In der momentanen Situation liefen die Plauer jedoch Gefahr, aus dem Verband ausgeschlossen zu werden. Und das würde nicht ohne Konsequenzen bleiben, nicht zuletzt auch finanziell.

Im Februar war Margret Kuhlmann über die brisante Situation im Verein in Kenntnis gesetzt worden. „Da habe ich dann erfahren, dass Herr Jahnke bereits im November die Geldgeschäfte komplett an sich genommen, die Schatzmeisterin suspendiert und ihr die Geldkarte für das Vereinskonto abgenommen hatte.“ Was an sich schon ominös sei. Jahnke habe aber auch sämtliche Unterlagen des Vereins bei sich zuhause aufbewahrt, „auch solche, die bei einer unangekündigten Steuerprüfung sofort vorzulegen sind“, so Margret Kuhlmann. Überdies habe er zwei junge Frauen für 5000 bis 6000 Euro monatlich fest angestellt und sprach davon, dass bei Langzeitarbeitslosen das Arbeitsamt für den Löwenanteil des Lohnes aufkäme. „Mir gegenüber versicherte eine der jungen Frauen, nicht langzeitarbeitslos gewesen zu sein. Vielmehr habe sie gerade ihre Ausbildung abgeschlossen“, stellt Margret Kuhlmann klar. „Je mehr ich mich mit der Plauer Thematik befasse, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass Herr Jahnke keine Ahnung hatte von dem, was er tat. Jeder weiß, dass das Geld in den Tierschutzvereinen knapp ist und sie auf Förderung und Spenden angewiesen sind. Der Vorsitzende aber wollte einerseits ein neues Tierheim für 750  000 Euro bauen, stellte andererseits aber keine Anträge auf Bezuschussung für tierärztliche Behandlungen.“ Immerhin: Für eine Kastration gibt der Tierschutzbund 70 Euro.


Vorsitzender legte Finanzen nicht offen


 

„Wir wissen nicht, ob unser Konto gedeckt ist. Ich befürchte aber nicht“, sagte Vereinsmitglied Rüdiger Hoppenhöft und erwähnt im selben Atemzug die Erbschaft, die der Ex-Vorsitzende immer wieder ins Feld geführt hatte. „20  000 Euro. Wenn es sie gab, dürften die jetzt weg sein.“ Außer Jahnke wisse das aber niemand. Er habe die Geldgeschäfte geführt, er war der einzige, der im Namen der „Vorstandschaft“ die Entscheidungen traf. „Immer wieder hat Herr Jahnke gesagt, er kümmere sich“, so Hoppenhöft. Offengelegt, wozu Achim Jahnke auch von Margret Kuhlmann mehrfach aufgefordert worden war, habe er die Finanzen unter seiner Regide nie. „Herrn Jahnke aus Vorstand und Verein zu entfernen, war das einzig Richtige, was wir tun konnten“, zeigt sich Rüdiger Hoppenhöft überzeugt.

Eine fatale Situation, in die der Verein hineinmanövriert wurde – womöglich sogar wissentlich. Für den Plauer Tierschutzverein, der seit vielen Jahren ein Tierheim in Plau am See betreibt und sich hier um verwaiste, kranke und ausgesetzte Katzen und Hunde kümmert – könnte das das Aus bedeuten. „Wir hoffen, das verhindern zu können“, sagt Vereinsvorsitzende Uta Kaßler. „Wenn die Plauer die Schulden nicht aus eigenen Mitteln begleichen können, müssten sie eigentlich dicht machen“, redet Margret Kuhlmann das Dilemma, das früher hätte auffallen können, nicht schön. Alternativen wären möglicherweise eine riesige Spende oder aber Hilfen von Seiten des Tierschutzbundes. Was das betrifft, werde sie schauen, was geht.

Auf SVZ-Anfrage kündigte Achim Jahnke gestern indes juristische Schritte des alten Vorstandes gegen mehrere Beschlüsse der seiner Meinung nach nicht rechtmäßig angesetzten Mitgliederversammlung an. Zu den Vorwürfen will er sich derzeit jedoch nicht äußern.