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Ein bisschen Heimat

Plau am See, den 11.07.2018

Der Blick eines Neulings hat etwas Unverstelltes. Kein langes Überlegen oder Zögern. Nur sehen und beschreiben. Diesen Blick wollen wir in der kommenden Zeit nutzen. Wir, das sind Franziska Gutt, Armin Kung und Sebastian Schramm. Drei junge Reporter, unterwegs in der Region Lübz, für die hier nahezu jeder Ort neu ist. Heute: Das erste Mal Plau am See.

Heimat, mit ihr schwingt der Hochmut. Bei mir ist das so: Als Stralsunder fällt es mir schwer, für andere Städte am Wasser zu schwärmen. Sie sind nur Kopien, blasser und trüber als mein Original. Insofern ist Plau am See eine Herausforderung. Schon des Namens wegen. Nicht mal ein richtiges Meer.

Plau schreibt über sich selbst, es sei ein reizvolles Städtchen, gelegen am Westufer des siebtgrößten Sees Deutschlands, eine gemalte Altstadt, dazu das Prädikat Luftkurort. Besonders rein soll sie sein, der Erholung dienen. Auf den ersten Metern riecht die Stadt nach Fisch, den sie am Hafen räuchern.

Sonst ist es ein bestellter Morgen: ein blauer, mit vereinzelten Wolken verzierter Himmel, ein leichter Wind, der die Wärme angenehm macht. Als hätte sich die Stadt auf dieses Treffen vorbereitet.

Der erste Weg führt mich zur Touristeninformation. Was er Neulingen empfehle, frage ich Joachim Kloth. Er zückt einen Stadtplan, Größe A3, und zeichnet mit einem Textmarker einen Rundgang auf das Papier. Schnelle und ruppige Striche zieht er über Straßen, die ich sehen müsse, Kreise um die Sehenswürdigkeiten. Wie ein Trainer vor dem großen Spiel. Sechs Kilometer zieht sich Plau an seinem See entlang, sagt er, „bald wie Hamburg“. Kloth lacht.

Was sofort auffällt: In Plau hat man Zeit. Die Menschen, an denen ich vorbeiziehe: Sie gehen nicht. Sie schlendern. Tragen Sandalen oder Flip-Flops an den Füßen, kurze Hosen an den Beinen. Die Kleider als Ausdruck des Plauer Gefühls. Hier ist Urlaub. Hier ist Muße. Selbst die Boote. Oben, vom Alten Wall, an den sich Villen und Bäume schmiegen, sehe ich eines verlassen vor dem Steg schwimmen. Der Name: Mien Lütt Freiheit. Meine kleine Freiheit. Ich gehe weiter, durch enge Straßen, kaum Platz für mehr als zwei Autos, die Fachwerkhäuser aufgereiht wie Schüler beim Sportunterricht, geschliffenes Kopfsteinpflaster. Wolfgang Waldmüller, Präsident des Landestourismusverbandes, sagte einmal: Plau am See sei eine wahre Perle.

Verlassen, auf einer Bank am Hafen, sitzt ein Ehepaar, zu lange schon vertraut, um sich noch anfassen zu müssen. Für sie, als älteres Semester, sei Plau perfekt. Die Landschaft. Das Wasser. Die Luft. Zum dritten Mal seien sie schon da, oben im Heidenholz. Viel Grün und viele Familien mit ihren Kindern. Einwandfrei.

Ganz in der Nähe ist auch der Leuchtturm. Acht Meter hoch, das Ende der neuen Mole. Dahinter nur noch Wasser, das am Horizont auf Wald trifft. Ein bisschen wie zu Hause, wenn ich in Stralsund am Kai stehe und sich drüben Rügen gegen den Sund lehnt. Nirgendwo fühlt es sich so sehr nach Heimat an. Nach ankommen. Und bleiben wollen.

 

Plau ist aber auch nicht schlecht.