Krise durch Qualität überwinden
PLAU AM SEE - Im vergangenen Jahr wurden in Plau am See insgesamt genau 417 492 Übernachtungen in privaten und gewerblichen Häusern registriert - gut 8000 mehr als 2008. Die Bettenkapazität (insgesamt 3210 Stück) war damit durchschnittlich zu 43,35 Prozent ausgelastet, was ebenfalls eine Steigerung gegenüber 2008 (42,69 Prozent) bedeutet. Bürgermeister Norbert Reier beurteilt die Fakten unter dem Strich als "hervorragendes Ergebnis", schränkt jedoch ein: "Wir haben noch nicht erreicht, was wir erreichen müssen."
Die Tourist Info Plau am See ist Mitglied in den Tourismusverbänden Mecklenburgische Seenplatte (Röbel) sowie Mecklenburg-Schwerin (Ludwigslust) und über sie beim Deutschen Tourismusverband. "Der Trend geht dahin, dass viele dort ihren Lebensabend verbringen, wo sie Urlaub machen", sagt Reinhard Müller, Geschäftsführer der Plauer Einrichtung. "Ein älteres Ehepaar bekommt hier - von der Ostseeküste einmal abgesehen - ein Einfamilienhaus für vielleicht 200 000 Euro, das zum Beispiel in der Pfalz das Vierfache kostet. Das ist verlockend und ich frage Sie: Wie viele Leben will jemand arbeiten, um 800 000 Euro zusammen zu tragen?"
Erkenntnis aus 2009:
"Viel Aktion hilft nicht immer viel"
Nicht immer ergebe sich eine Erkenntnis allerdings logisch. Man bewerbe zum Beispiel Hamburg als Deutschlands zweitgrößte Stadt stark, die Zahl der Einwohner von dort in Plau stehe jedoch nur auf Platz 13 der Besucherstatistik. "Dies zeigt, dass viel Aktion nicht immer viel hilft", so Müller. "Der Markt hat eigene Gesetze."
Seit September 2009 hat sich die Plauer Region auf 12 Messen unter anderem in Hamburg, Berlin, Bremen, Düsseldorf, Hannover, Mannheim, Leipzig, Nürnberg (läuft noch) und Jena präsentiert. Hinzu kommen noch der Hamburger Hafengeburtstag und der Mecklenburg-Vorpommern-Tag in Schwerin.
Der Veranstaltungshöhepunkt in diesem Jahr ist die 775-Jahr-Feier in Plau am See, beteiligt ist die Tourist Infor außerdem an diversen Veranstaltungen mit überregionalem Charakter, zu denen der Internationale Segelsommer von Ende Mai bis Juli, die Badewannenrallye im Juli, die Müritz-Fischtage (25. September bis 10. Oktober), der Plauer Musiksommer (30. Juni bis 30. Dezember) und "plau-kocht.de" gehören.
Laut Ernst Gotzian, mittlerweile zweiter Vorsitzender des Verkehrsvereins "Plauer See" e. V., sei die Finanzkrise mittlerweile auch in Plau angekommen - nach einem noch guten Weihnachts- und Silvestergeschäft, was auch schon längst nicht mehr in allen Regionen Deutschlands der Fall gewesen sei. "Der Blick auf den Gehaltszettel könnte in diesem Jahr bei vielen dem Reisewunsch Fesseln anlegen", sagte er. Der Fakt, dass die Zahl der Buchungen jetzt 20 Prozent unter der zum gleichen Zeitpunkt in 2009 liegt, gründe sich zum Teil darauf, dass die Buchungszeiten allgemein kürzer werden, stehe aber auch mit der Wirtschaftskrise in Verbindung. "Qualität ist gefragt, um die Talsohle zu überwinden", so Gotzian. "Gäste muss man durch Leistung binden. Und Zeiten, in denen nichts los ist, gibt es in Plau nicht." Ein harter Wettbewerb sei nichts Neues und Schwarzmalerei helfe nicht. Es gelte, "wohl überlegte Risiken" einzugehen, zumal sich das bisher Erreichte sehen lassen könne. "Entwicklungsfähig" nannte Gotzian unter anderem die Freundlichkeit auch in einigen touristischen Unternehmen.
Eine private Zimmervermieterin gab unter anderem die von Gästen geäußerte Kritik über den Schandfleck alte Wäscherei und die Enttäuschung über die Schiffahrt weiter. Der Bürgermeister stimmte beidem zu: "Die alte Wäscherei würde ich am liebsten längst abgerissen haben und auch den Punkt Schifffahrt - insbesondere, was die Zuverlässigkeit angeht - gilt es dringend zu bearbeiten."








