Jedes Wiedersehen ist eine Freude
PLAU AM SEE - Vor ihrer Warmwassergymnastik im Schwimmbad des Medi Clin Krankenhauses in Plau am See erlaubten sich Christel Ehrke, Magdalene Busse, Hildegard Tabbert und die anderen Teilnehmer an diesem Freitag ausnahmsweise eine süße Sünde: Mathilde Demko aus Lübz hatte ihre Rheuma Liga-Familie zur Kaffeetafel eingeladen, weil sie wenige Tage zuvor, am 9. März, ihren 90. Geburtstag feierte. Die ganze Selbsthilfegruppe gratulierte von Herzen und zollte ihrem ältesten Mitglied hohen Respekt: Denn ihre erste Warmwassergymnastik im neuen Lebensjahr absolvierte Mathilde Demko genauso diszipliniert, wie man es von ihr seit vielen Jahren kennt. Und das, obwohl sie sich mitten in einer ziemlich aufregenden Festwoche befand: Am Dienstag der Geburtstag, am Mittwoch die Feier in der Lübzer Gymnastikgruppe, am Donnerstag eine gemütliche Runde mit der stets so aufmerksamen Hausgemeinschaft, Freitag die Kaffeetafel in Plau voller Vorfreude auf das Fest mit den Lieben aus dem Familienkreis am Sonnabend.
"Hut ab. Mit ihrem starken Willen ist sie ein Vorbild für uns ", lobt auch Elke Zimmermann die ehrgeizige Dame. Seit etwa sieben Jahren betreut die Physiotherapeutin die Parchimer Gruppe der Rheuma Liga bei der Warmwassergymnastik. Das regelmäßige Funktionstraining immer mittwochs auf der Turnmatte und an jedem Freitag im wohl temperierten Wasser ist für die Betroffenen elementare Voraussetzung, um den Krankheitsfortschritt verzögern zu können. Rheuma beeinträchtigt Bewegungsfunktionen, kann Gelenke zerstören sowie Herz, Nieren, Augen und andere Organe befallen. Dagegen kämpft die Gruppe mit eisernem Willen an. Die gymnastischen Übungen im Wasser sind beileibe kein gemütlicher Spaziergang und werden 45 Minuten straff durchgezogen. Dennoch geht es Elke Zimmermann in erster Linie darum, dass jeder Patient das Funktionstraining im Schwimmbecken mit Freude an der Bewegung annimmt, auch wenn man sich jeden kleinen Erfolg hart abringen muss. Doch Monika Schröder weiß nur zu gut, wie die Alternative aussieht: "Nichts machen wäre schlimm. Wenn man sich schont, schmerzen die Gelenke noch mehr. Deshalb muss man sich selbst helfen", sagt die Garwitzerin, die sich vor gut 17 Jahren bereits kurz nach der Gründung der Selbsthilfegruppe anschloss. Fast ebenso lange findet auch Hildegard Tabbert Halt und Hilfe bei der Rheuma Liga. "Man darf nicht an die Schmerzen denken, sondern man muss andere Gedanken in den Kopf nehmen", versucht die Parchimerin positiv zu denken, obwohl sie die Krankheit schon so viele Jahre aushalten muss. Für sie sind allein schon die Fahrten im Sonnenschein-Bus nach Plau und anschließend zurück nach Hause wie ein schnell wirkendes Medikament, das die Seele streichelt: "Jedes Wiedersehen mit den anderen ist eine Wohltat und muntert mich auf", gesteht Hildegard Tabbert. Christel Ehrke und Magdalene Busse nicken zustimmend. "Wir unterhalten uns über so viele schöne Dinge. So verschwindet die Krankheit endlich mal für ein paar Minuten aus dem Bewusstsein. Das schweißt zusammen", ergänzt Christel Ehrke. Stutzig machten sie vor etwa 40 Jahren die Beschwerden nach dem Fahrradfahren, die sich zunächst wie Muskelkater anfühlten. Anfangs maß sie dem keine Bedeutung bei, doch irgendwann fand sie diese Symptome beunruhigend. Dann die Diagnose. Auf die Selbsthilfegruppe wurde Christel Ehrke 1994 durch einen Beitrag in der Zeitung aufmerksam. Aus dem kleinen 1992 entstandenen Trüppchen ist heute eine fast 70 Mitglieder starke feste Gemeinschaft geworden, die von Eva-Maria Lüders zusammengehalten wird. "Wir sind so froh, dass wir sie haben", vermag Ruth Vorpahl einzuschätzen, was Eva-Maria Lüders für die Gruppe leistet, obwohl sie selbst die Bürde der Krankheit zu tragen hat. Obwohl sie in diesen Tagen anders verplant war, kam Eva-Maria Lüders am Freitag extra von Rostock nach Plau, um Mathilde Demko zu ihrem hohen Geburtstag persönlich zu gratulieren und noch einen Extragruß vom Landesverband der Rheuma Liga zu überbringen. Ganz bescheiden wünscht sich die Jubilarin "ein bisschen Gesundheit und Zufriedenheit" im neuen Lebensjahr. Auf ihre Rheuma Liga-Familie kann Mathilde Demko weiterhin zählen: Ein Mitglied dieser Familie ist auch ihr Nachbar Günther Ast, der sich rührend um Mathilde Demko kümmert - obwohl er selbst schon seinem 75. Geburtstag entgegenblickt.








