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Förderprogramm: Plau am See vernetzt

Neuentdeckung einer historischen Lehmbautechnik

01.05.2019

Entdeckung einer neuen Lehmbauweise, genannt die Hundt´sche Lehmbau-Methode

 

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Bauingenieur, Lehm- und Strohballenbauer und langjähriges Mitglied des Förderkreises unseres Museums Burkard Rüger hat durch hartnäckige Recherche erstaunliche Details über ein Ausstellungsstück unseres Museums in Erfahrung gebracht.

 

"Kann man heute noch eine neue Art mit Lehm zu bauen erfinden? Offen gesagt, ich weiß es nicht – und offen gesagt, ich weiß nicht einmal, ob mich das interessiert. Aber genau dies ist passiert. Genauer gesagt, dies passierte vor zweihundert Jahren hier vor unserer Tür.

Ausgelöst von einem Wettbewerb um das „vorteilhafteste“ Haus für den einfachen Menschen ging um die Zeit der französischen Revolution eine Welle durch Europa. Eine Welle des Interesses und der Begeisterung für den Stampflehmbau. Davon angesteckt erfand der Baumeister Hundt aus Zarchlin bei Plau am See (Mecklenburg) seine eigene Bauweise, die Hundt´sche Lehmbau-Methode.

Sie wurde wiederum aufgegriffen und begeistert verbreitet von Herrn Professor Karsten aus Rostock, von Salomon Sachs und von Carl Christof von Knobelsdorff (1767-1845, königlich Preußischer Landrath und Direktor der „Neumärkischen“ Ritterschaft).

 

Was ist das Besondere an dieser Methode?

In den Ländern mit langer Stampflehm-Tradition wissen die Menschen, dass Stampflehm beim Trocknen schwinden kann, und treffen entsprechende Vorkehrungen: sie bauen Gleitfugen ein. In der Höhe alle 60 cm, in der Länge alle 1,5 m (Südportugal), alle 2,5 in der Dauphine (Südfrankreich). Diese sind aus Kalkmörtel und binden langsamer ab als der Lehm trocknet. Der Baurath Johann Heinrich Hundt dachte sich einen anderen Weg aus: er bewehrte seine Stampflehmwände mit Hölzern und nahm damit die Erfindung des Stahlbetons vorweg.

Die erste und vermutlich einzige detaillierte Beschreibung dieser Bauart erschien 1811 von Prof. Karsten (Rostock), sie wird von Rixen 1812 zitiert (s.Zeittafel). Ein zweiter umfangreicher Aufsatz findet sich 1822

 

von Knobelsdorff: Einige Bemerkungen über die Hundt´sche Baumethode

… Ich schließe diese Mitheilung mit der Erklärung, daß ich die Hundt´sche Bau-Methode für eine der wichtigsten Erfindungen erkenne, die in neuern Zeiten zur Förderung des ersten und wohltätigsten aller Gewerbe, der Landwirthschaft, gemacht worden sind.

Dresden, am 12. Januar 1822
Carl Christoph von Knobelsdorff (1767–1845)

 

Verbreitung

Über die Verbreitung der Hundt´sche Lehmbau-Methode wissen wir wenig. Rixen hat mehrere Orte in der Umgebung von Hundt erwähnt, von Knobelsdorff berichtet, dass er in dreizehn seiner Güter in der Neumark Gebäude in der Hundt´sche Baumethode hat bauen lassen. Gefunden haben wir das Haus in Langenhagen und ein kleines Wohnhaus in Beerbaum nahe Bad Freienwalde. Wir meinen, Fotos von Häusern der gleichen Bauart von Lehmbauern in Estland gesehen zu haben.

 

Wetterschutz

Ein weiteres Problem bei jeder Außenwand aus Stampflehm ist der Wetterschutz. Hier wurden Bruchstücke alter Biberschwänze in den frisch ausgeschalten Stampflehm gedrückt und anschließend mit Kalk verputzt, genaueres dazu findet sich in dem Buch von Salomon Sachs: Anleitung zur Erdbaukunst, Berlin 1825."

 

Burkard Rüger, Wangelin, 27.3.2018