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Tourismus im Schatten der Windräder

Plau am See, den 09.04.2013

Der Wind, der dem Bestreben  von Land und Bund, in M-V weitere  etwa 10  000 bis 15  000 Hektar   als Windeignungsgebiete auszuweisen,  entgegen bläst, weht schon lange. Jüngste Entwicklungen,  die  mit "Altenlinden" unmittelbar vor den Toren Plaus möglicherweise ein nächstes Eignungsgebiet   vorsehen, haben  jetzt  auch den Verkehrsverein Plau am See e.V.   auf den Plan gerufen.

Der Verein -  in ihm arbeiten Stadt, Tourismusanbieter und Plauer Tourist-Info zusammen -  hatte sich bei seiner Gründung  die touristische Vermarktung des Luftkurortes mit seinen Randregionen  auf die Fahnen  geschrieben, will  Werbestrategien zur besseren Vermarktung  entwickeln. Doch  seit die Politik massiv an  der Windenergie-Schraube dreht, bleibt dafür kaum  noch Zeit. "Wir  verschwenden unsere Ressourcen, weil    wir uns  seit  zwei, drei Jahren nur noch  mit  Massentierhaltung und Windparks beschäftigen  müssen", kritisiert Thorsten Falk, Vorsitzender des Verkehrsvereins. Zur eigentlichen Vereinsarbeit, geschweige denn dazu, sich um ihre Geschäftsfelder, sprich Hotels und Gaststätten, zu kümmern, kämen die Mitglieder  fast gar  nicht mehr. "Na klar, ich will  auch   preisgünstigen Strom, will   für mein Steak  kein  Vermögen  hinblättern und ich  bin auch dafür, dass die Natur erhalten wird", räumt  Falk ein. Was   er und der Verkehrsverein aber nicht wollen: Dass der Tourismus in der Region   immer mehr und immer größeren  Windparks  geopfert und die Landschaft mit Ställen  für  Massentierhaltung zugepflastert wird.

Bereits Ende März   fassten die  Mitglieder des Vereins  deshalb einen  Beschluss, der sich  gegen  die Ausweisung weiterer Windeignungsflächen und  den Bau von Großviehanlagen richtet.  Dass   diese Geschlossenheit  wahrscheinlich  ohne Wirkung  auf die  Pläne  von Bund und Land  bleiben  wird,  ist ihnen bewusst.     Denn sie,  die den Tourismus in der Region voranbringen wollen, werden  in den entsprechenden Verfahren  gar nicht gehört. "Dabei  denke ich nicht, dass das zuviel verlangt ist, denn  immerhin     ist  unsere Branche direkt betroffen. Man sollte  auch nicht vergessen, dass es  das Land war, das  vor Jahren das Ziel formulierte,  M-V zum Tourismusland Nummer eins zu machen. Und der Landkreis  nennt  unseren Luftkurort  sogar die Speerspitze des Tourismus",  so Remo Block, Vorstandsmitglied des Verkehrsvereins. 

Für die Mitstreiter des Plauer Verkehrsverein ist eines klar:  Der Tourismus  mit den hehren  Zielen des Landes  war zuerst da; die  sogenannte Energiewende, die Mecklenburgs attraktive  Natur  mehr und mehr  zu Spargel-Landschaften degradiert, sei ein Kind der Neuzeit. Thorsten Falk und Remo Block  nennen  es  paradox, das eine  zwar zu  wollen,  jedoch  das andere zu fördern. "Aber genau so  sieht es doch aus. Da werden die Kriterien  zur Ausweisung weiterer Windeignungsflächen  aufgeweicht, um  Optionen auf weitere Parks zu haben,   da werden Flächen gesperrt, weil  2000 Kühe   natürlich regelmäßig auf Klo müssen,   werden  aus Tierschutzgründen voraussichtlich bald schon Teile   des Sees  nicht mehr  zugängig  sein…" Mit Förderung des Tourismus  habe das  alles nichts zu tun. Die Mitglieder des Verkehrsvereins  kritisieren, wollen  sich Gehör verschaffen,  lamentieren. Aber es will ihnen einfach  nicht gelingen,  ihre Argumente  an die richtige Adresse zu bringen. "Wahrscheinlich  gibt es die  gar nicht. Wahrscheinlich gibt es im  Land wirklich niemanden, der die Gesamtproblematik  kennt, den einen, der den Überblick hat", vermutet Thorsten Falk.  Planlosigkeit   will der Verkehrsverein  nicht unterstellen. Aber besorgt ist er. In den letzten zwei Jahren haben Falk und  Block und  ihre  Mitstreiter es mehrfach versucht, aber entweder hatten sie  es mit  Leuten zu tun, die   für Windparks zuständig waren, die  sich ausschließlich  mit  Massentierhaltung auskannten, die wussten  was der Fischotter braucht…  nur  für  die Belange des Tourismus, da  sei keiner zuständig gewesen.

Trotzdem  wird  der Verkehrsverein  nicht aufgeben. Vielmehr ist es sein Ziel,   vor der Festlegung neuer Windeignungsräume in MV im Jahr  2015 die  Kuh vom Windrad zu holen. "Wir  wollen nicht  irgendwann  in der  Situation sein,  das ,Urlaubserlebnis im Windpark' anpreisen zu müssen", so Remo Block.  "Nein, seit  Jahren  ist Plau Tourismusschwerpunktgebiet. Und nach unserem Verständnis sollte dem  alles andere untergeordnet werden."

Was nach 2015  kommt,  mag sich niemand im Plauer Verkehrsverein  vorstellen. Thorsten Falk: "Alles wird bunter, die Touristen werden anspruchsvoller, natürlich man muss ihnen was  bieten.  Doch wir haben  schon jetzt  massive  Probleme,  bei dieser Entwicklung   Schritt zu halten. Wir  arbeiten an Netzwerken, sind dabei,  gemeinsam mit den vielen kleinen Anbietern in der Region Angebotspakete zu schnüren.  Weil aber entweder die Infrastruktur nicht da, oder aber verbaut ist,  stoßen wir  immer wieder an Grenzen, ."

Nur  ein Beispiel: Seit Jahren  gelingt es nicht, einen  Radwanderweg   rund um den Plauer See zu bauen. Immer wieder  scheitert das  für den Tourismus der Region   so wichtige Projekt an Umweltauflagen. Thorsten Falk: "Hier  wird nichts unversucht gelassen, Tiere und Pflanzen  zu  schützen, aber andererseits lässt   man es zu, dass die Windparks  unsere schöne Landschaft   kaputt machen. Das   muss mir mal einer  erklären."